Kiskunhalas

Geschichte

Die Umgebung der Stadt ist seit Jahrtausenden bewohnt. Auf diesem Gebiet haben sich die Völker der verschiedensten vorzeitlichen Kulturen angesiedelt. Zahlreiche archäologische Zeugnisse aus dieser Epoche können im Thorma-János-Museum besichtigt werden. Während der Herrschaft der Arpaden (ab 895 nach Chr.) hat man in mehreren kleinen Siedlungen in der Umgebung gewohnt, dieses Gebiet wurde jedoch während des Tatarensturms zerstört. Von den sieben, gegen 1246 angesiedelten kumanischen Geschlechtern gelangte die Stadt in den nachfolgenden Jahren in den Besitz des Geschlechts CSERTÁN, dieses ist aber in den darauf folgenden Jahrhunderten im ungarischen Volk aufgegangen.

Die erste schriftliche Erwähnung der Stadt stammt aus dem Jahre 1347. In kurzer Zeit wurde aus der Siedlung ein Marktflecken (Oppidum). Während der Türkenherrschaft geriet der Ort mehrmals in höchste Gefahr; von 1596 an war sie jahrzehntelang unbewohnt. Dem Fortbestehen der Stadt hat geholfen, dass sie vom türkischen Sultan Privilegien erhalten hat. Die Bewohner waren im 16-17. Jahrhundert Anhänger der kalvinischen Reformation. Nach der Vertreibung der Türken waren drei Viertel der Einwohnerschaft Ansiedler. Sie kamen aus Süd - Transdanubien und aus der Umgebung der Stadt Szeged. Auf dem Stempel aus dem Jahre 1755 steht ein kleinkumanischer Soldat auf dem 3-Fische-Motiv. So ist das bis heute benutzte Wappen von Kiskunhalas entstanden.

Obwohl die Privilegien vom Paladin und dem Kaiser mehrmals bestätigt wurden, wurde das Gebiet Jazygien - Kumanien von dem Wiener Hof im Jahre 1702 verpfändet. Die Senkung auf Fronstufe trug dazu bei, dass die Stadt den Rákóczi - Freiheitskampf begeistert empfing. Am 5. Oktober 1703 fand ein Kampf östlich der Stadt zwischen den Kuruzen und den Anhängern der Habsburger statt. Nach der blutigen Schlacht waren 234 Kuruzen und der Anführer der feindlichen Truppen auf dem Schlachtfeld zurückgeblieben. 200 Jahre nach der Halaser Schlacht stellten die Einwohner der Stadt ein Denkmal auf, das im Jahre 1904 eingeweiht wurde. Bis heute ist dieses Denkmal das einzige Kuruzen - Denkmal Ungarns.

Die Einwohner des verpfändeten Gebietes haben ihre Privilegien durch die Redemption (Auslösung) im Jahre 1745 zurückerhalten. An der auferlegten Gesamtsumme von 580900 Goldforint musste Kiskunhalas 50900 Goldforint aufbringen. Die Redemption war ein einzigartiges Ereignis im 18. Jahrhundert in Ungarn; sie gab ein prägendes Beispiel, bekam ihre Vorzugsstellung zurück und ging etwa 100 Jahre der Bauernbefreiung voraus. Die Redemption legte für lange Zeit die wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Verhältnisse der Einwohnerschaft fest, weil die Teilnahme in der Auslösung die Weideberechtigung, den Grunderwerb und die Einrede in die Leitung der Stadt bestimmte.

Kiskunhalas war bis 1745 das Zentrum von Kiskunság (Kleinkumanien). Aufgrund des fanatisch protestantischen Verhaltens verlor sie in diesem Jahr den Kreisstadt - Rang. Die Stadt wurde vom Stadtrat und dem Hauptrichter geleitet. Die Selbstständigkeit der Stadt kam in Wirtschafts- und Verwaltungsfragen zur Geltung. Im 18. Jahrhundert gab es eine bescheidene wirtschaftliche Entwicklung. Die Menschen jener Zeit mussten viele Schwierigkeiten überwinden, wie kaum fruchtbare Äcker, Flugsand, Trockenheit, Sümpfe und Seuchen. Bis in die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts sicherte die extensive Rinder- und Schafherdenzucht ein gutes Auskommen. Die reformierte Einwohnerschaft wurde in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts durch Neuansiedlungen immer mehr katholisch. Die katholische Kirche wurde 1770 gebaut, 1823 die neue reformierte Kirche. Die neuen Kirchen zeigten die Zunahme der Einwohner. Am Ende des 18. Jahrhunderts verfügte Kiskunhalas über mehr als 8000 Einwohner.

Anfang des 19. Jahrhunderts entwickelte sich die Stadt weiter, die Zahl der Handwerker und Händler erhöhte sich. Für den Freiheitskampf 1848-49 schickte die Stadt mehrere hundert Nationalgardisten. Während des Absolutismus war Kiskunhalas eine Kreisstadt. Ab 1872 gehörte sie in die Reihe der Städte mit geordnetem Rat. Nach der Übereinkunft mit den Habsburgen wurde das Verwaltungsgebiet Jászkunság (Jazygien – Kumanien) abgeschafft und die Stadt mit Kleinkumanien dem neuen Verwaltungsgebiet Pest-Pilis-Solt-Kiskun zugeschlagen.

Die Besitzregelung aus dem Jahre 1863 weist darauf hin, dass der Ackerbau auf dem Weg der Kapitalisierung eine immer wichtigere Rolle spielte. Anfang des 19. Jahrhunderts nimmt die Bedeutung des Obst- und Weinbaus zu. Überall in Ungarn waren die Kifferbirne und der Halaser Wein vom Sandboden bekannt und beliebt. Aus dem Kreis der Lebensmittelindustrie muss man noch die Geflügelverarbeitung, den Obstanbau, die Milchproduktion und die Mühlenindustrie erwähnen. Die Eisenbahnlinie Budapest – Belgrad wurde mit der Berührung von Kiskunhalas gebaut, die den Aufschwung des Handels und Warenverkehrs förderte. Im Jahre 1882 begann der Verkehr Richtung Budapest und Subotica (Maria – Theresiopel) und auch die erste Kiskunhalaser Zeitung erschien zu diesem Zeitpunkt.

Zur Jahrhundertwende des 19.-20. Jahrhunderts hatten der wirtschaftliche Aufschwung und die gesellschaftliche Modernisierung eine Bauwelle in der Stadt als Folge. Neben den wenigen früheren klassizistischen und barocken Gebäuden wurden neue, modernere Bürgerhäuser gebaut. Mehrere Gebäude wurden auch für die Industrie (Ziegelfabrik, Stromwerk) gebaut und zahlreiche Straßen bekamen feste Pflasterung. Im Jahre 1910 war die Einwohnerzahl schon auf über 25000 gestiegen. Der erste Weltkrieg verhinderte die Entwürfe, die eine weitergehende Entwicklung der Stadt als Ziel hatten. Mehr als tausend Gefallene hatte Kiskunhalas im ersten Weltkrieg zu betrauern. Zum Gedenken der gefallenen Soldaten wurde die „Heldenstatue“ 1926 aufgestellt.

Zwischen dem ersten und dem zweiten Weltkrieg bekamen noch weiteren Strassen feste Pflasterung. Das Haus der Spitzen, eine katholische Grundschule, zwei landwirtschaftliche Berufsschulen mit Studentenwohnheimen, mehrere kleine Schulen für die Bauernkinder außerhalb der Stadt, Kinderkrippen, zwei Kasernen und eine staatliche Weinkellerei wurden gebaut. Das Krankenhaus wurde erweitert; der Strand am Sóstó (Salzsee) und in Kunfehértó wurden eröffnet; weitere Wohnhäuser, Mietshäuser und Wohnungen wurden gebaut. In der zweiten Hälfte der 30er des 20. Jahrhunderts kam das wirtschaftliche Leben in Schwung. Im zweiten Weltkrieg hatte die Stadt mehr als 1000 Opfer: Juden, Soldaten und Zivilisten. Nach dem zweiten Weltkrieg kam eine politische Umwälzung: die Aufteilung des Bodens. Am Ende der 50er wurden dann 7 landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaften gegründet. Anfang der 60er hatte der Kiskunhalaser Staatliche Landwirtschaftsbetrieb mehrere tausend Hektar bebaute Ackerflächen. In den 60-70 Jahren begannen mehrere industrielle Betriebe und Fabriken in Kiskunhalas zu produzieren.

Kiskunhalas verfügte in dem ehemaligen Ungarn über die sechstgrößte Feldmark. Im Jahre 1947 wurde Pirtó, 1952 Kunfehértó, Balotaszállás und Zsana selbständige Dörfer und von Kiskunhalas abgetrennt. Bodoglár und Tajó wurden 1972 zu Kiskunmajsa zugeschlagen. Im 18. - 19. Jahrhundert wurden die Einzelbauernhöfe zum Ackerbau notwendig. Am Anfang des 20. Jahrhunderts lebte die Hälfte der Einwohner außerhalb der Stadt, auf dem Lande. Während des Sozialismus hatte die Zahl der Bauernhöfe abgenommen. Heutzutage kommen den Bauernhöfen neben ihren wirtschaftlichen auch neue Aufgaben zu: sie dienen Fremdenverkehrs- und Erholungszielen. Kiskunhalas spielt in diesem Gebiet eine wichtige Rolle, es ist das Zentrum der Region mit ihren Institutionen und Dienstleistungen.